Ergonomie für Menschen

Ergonomie für Menschen

Unsere Zeit ist toll: Wir drehen den Wasserhahn auf und frisches, klares, sauberes Wasser sprudelt heraus. Wir setzen uns in ein Ding mit vier Rädern und kommen bequem und ohne Strapazen von A nach B. Wir greifen zum Telefon und reden mit anderen Menschen auf der ganzen Welt. Wir arbeiten mit Hilfe von Maschinen und/oder Computern, reisen mit Flugzeugen und schicken Satelliten ins All. Die technische Entwicklung hat unser Leben einfacher und bequemer gemacht. Wir müssen nicht mehr zum Brunnen gehen und mühsam mit dem Eimer Wasser schöpfen. Auch tagelange Reisen mit einer Postkutsche über holpriges Pflaster sind Vergangenheit.

Durchschnittlich gehen wir 8 Stunden pro Tag - meist fünfmal die Woche - einer zielgerichteten, planmäßigen und bewussten Tätigkeit nach. Sie erfolgt unter Einsatz physischer, psychischer und mentaler (geistiger) Fähigkeiten und Fertigkeiten. Wir tun das, was man kurz auch „Arbeit“ nennt.

Und trotz der vielen tollen Erfindungen ist gerade sie es, die uns in zunehmendem Maße anfälliger für Krankheiten macht. Wir „verschleißen“ schneller: Herzinfarkt, Schlaganfall, Allergien und Rückenkrankheiten sind so genannte Volkskrankheiten geworden - Tendenz steigend.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, gibt es die Wissenschaft von der menschlichen Arbeit, die Ergonomie. Ihre Bezeichnung setzt sich aus den griechischen Wörtern ergon = Arbeit, Werk und nomos = Gesetz, Regel zusammen. Die Ergonomie hat das Ziel, die Arbeitsbedingungen vom Arbeitsplatz bis zu den Arbeitsabläufen den Menschen anzupassen und so ihre Gesundheit zu schützen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Kriterien an einen menschengerechten Arbeitsplatz wie folgt formuliert: „Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit und die Arbeitsbedingungen organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein.“

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Ergonomie eine Teildisziplin der Arbeitswissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der systematischen Erforschung der technischen, sozialen und organisatorischen Voraussetzungen, unter denen sich menschliche Arbeit vollzieht. Untersucht werden außerdem die Wirkung der Arbeit auf den Menschen und die Faktoren, die eine menschengerechte Arbeitsplatzgestaltung beeinflussen. Die Arbeitswissenschaft will erreichen, dass die Arbeitenden „in produktiven und effizienten Arbeitsprozessen schädigungslose, ausführbare, erträgliche und beeinträchtigungsfreie Arbeitsbedingungen vorfinden, Standards sozialer Angemessenheit nach Arbeitsinhalt, Arbeitsaufgabe, Arbeitsumgebung sowie Entlohnung und Kooperation erfüllt sehen, Handlungsspielräume entfalten, Fähigkeiten erwerben und in Kooperation mit anderen ihre Persönlichkeit erhalten und entwickeln können.“ (Gesellschaft für Arbeitswissenschaft, Handbuch der Bildschirmarbeit, S. 1)

Soweit die trockene Definition. Kurz ausgedrückt, die Ergonomie beschäftigt sich mit der menschlichen Arbeit unter dem Aspekt des individuellen Gesundheitsschutzes. Sie befasst sich mit uns – den Menschen – und zwar ganzheitlich und vielfältig, mit allen Faktoren, die unseren Arbeitsalltag bedingen und beeinflussen oder ihn überhaupt erst möglich machen. Dabei reicht die Palette von der Büroeinrichtung über Schadstoffeinflüsse bis hin zur Arbeitsatmosphäre sowie psychischen und psychologischen Kriterien. Das gibt viel Raum für Erkenntnisse und deren Umsetzung. Viel Raum für Diskussionen, Anregungen und Meinungen. Viel Raum für uns.